{"id":12990,"date":"2017-05-05T13:33:24","date_gmt":"2017-05-05T11:33:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.emmenreiter.de\/?page_id=12990"},"modified":"2017-11-20T19:01:42","modified_gmt":"2017-11-20T17:01:42","slug":"nepal-manaslu-trekking-teil1","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.emmenreiter.de\/nepal-manaslu-trekking-teil1\/","title":{"rendered":"Nepal: In Motorradstiefeln um den Manaslu (1\/2)"},"content":{"rendered":"
Blick auf den Himalaja-Bergriesen MANASLU von Osten, Nepal 2017 \u00a9 emmenreiter.de<\/p><\/div>\n
31. M\u00e4rz 2017. „Guten Morgen Kathmandu!“ Wir sind gestern erst sp\u00e4t abends hier angekommen und hatten uns schon auf diesen Moment gefreut: Die erwachende Stadt breitet sich vor unserem kleinen Balkon im Avalon Guesthouse aus. Das Meer aus schmalen und vorwiegend maroden H\u00e4usern reicht bis an die Berge. Ein schlanker Hund liegt unten an der Kette und winselt herzzerrei\u00dfend. Lichtblick ist der saftiggr\u00fcne Gem\u00fcsegarten \u2013 in Nachbarschaft zu unserem kleinen Hotel. Wir sind jetzt schon zum dritten Mal in Nepal<\/a> und immer wieder ersch\u00fcttert und gleichzeitig fasziniert von dieser unverwechselbaren, fremden Welt. 3. April 2017. Heute soll es losgehen. Beim Aufwachen grummelt es verd\u00e4chtig in meinem Bauch. „Das kann nicht wahr sein!“ fluche ich. Vor uns liegen acht Stunden Busfahrt und ich renne dank Durchfall gleich mehrmals zum Klo. Die n\u00e4chste Toilette, die ich heute morgen aufsuchen muss, ist der \u00f6ffentliche Notdurft-Verschlag am Busbahnhof \u2013 eine dunkle, stinkende H\u00fctte in einer modrigen Ecke hinter den parkenden Bussen. Dieses \u00d6rtchen hat sogar meinen Darm davon abgehalten, sich nochmals zu melden. Heute geht es nach Lapubesi, das wir in vier, f\u00fcnf Stunden \u00fcber einen Pfad mit eher sanftem Auf und Ab erreichen \u2013 h\u00e4tte nicht vor ein paar Tagen ein gewaltiger Erdrutsch den Weg blockiert. Das erfahren wir aber erst im \u00fcbern\u00e4chsten Dorf. Dort findet Bhim au\u00dferdem heraus, dass wir einen langen Umweg gehen m\u00fcssen: Erst ganz runter zum Fluss, auf der anderen Seite wieder mehrere hundert H\u00f6henmeter herauf, sp\u00e4ter wieder steil zum Fluss hinab und nochmal auf der anderen Seite nach oben. Meine Beine f\u00fchlen sich zwischendurch wie Gummi an. Wir sind unterwegs so durchgeschwitzt und durstig, dass wir kaum noch den Chlorgeschmack wahrnehmen, den die Wassertabletten in unseren Trinkflaschen hinterlassen. Namrung (2.630 Meter) ist das erste tibetisch gepr\u00e4gte Dorf auf unserer Manaslu-Umrundung, dessen D\u00e4cher wir gegen halb f\u00fcnf erleichtert erblicken. Mit jedem Tag gehen wir weiter zur\u00fcck in die Vergangenheit. Namrung erscheint uns wie eine lebendige Kulisse aus dem Mittelalter. Die Familien leben in einfachen Felssteinh\u00e4usern in einem gro\u00dfen Raum zusammen. Das Herzst\u00fcck ist die Feuerstelle. Unten im Haus befindet sich der Stall f\u00fcrs Vieh. Wasser gibt es nur au\u00dferhalb. So leben die Menschen hier schon seit Ewigkeiten.
\nKambodscha r\u00fcckt genauso schnell in den Hintergrund wie uns das Flugzeug an den Himalaja gebracht hat. Es war \u00f6de, in der Troposph\u00e4re zu reisen. Flugh\u00e4fen sehen doch alle gleich aus. Aber nun sind wir im Land der Gipfel und G\u00f6tter, <\/span>die Temperaturen sind sehr angenehm und wir k\u00f6nnen unser n\u00e4chstes Abenteuer anpacken.
\nDas wahre Nepal erreicht man nur zu Fu\u00df. Und wir haben uns diesmal vorgenommen, den Manaslu zu umrunden \u2013 mit 8.163 Metern der achth\u00f6chste Berg der Erde. Diese Route ist noch nicht so popul\u00e4r und kommerzialisiert wie die quasi nebenan verlaufende Annapurna-Runde. Erst seit ein paar Jahren braucht man daf\u00fcr keine Zeltausr\u00fcstung mehr. Man startet im suptropischen Tiefland und l\u00e4uft \u00fcber eine alte Handelsroute in zwei bis drei Wochen gegen den Uhrzeigersinn um den Bergriesen herum. Die ersten Tage geht es durch eine gewaltige Schlucht am Budi Gandaki Fluss entlang nach und nach bergauf. Gegen Ende der Wanderung muss der eingeschneite Larke-Pass \u00fcberwunden werden. Wie hoch der Pass ist, scheint keiner genau zu wissen. Die Angaben liegen irgendwo zwischen 5.100 und 5.200 Metern. Noch nie sind wir so lange und so hoch gewandert.
\nAm dritten Tag in Kathmandu sitzen wir im winzigen, fensterlosen B\u00fcro von Madan inmitten des Touristenviertels Thamel. Wir treffen Madan zum allerersten mal. Er hat eine unglaublich freundliche Ausstrahlung und empf\u00e4ngt uns wie einen Freund. Wir hatten ihn im Vorfeld \u00fcbers Internet damit beauftragt, alle Genehmigungen zu besorgen, die wir f\u00fcr die Manaslu-Wanderung vorweisen m\u00fcssen. Au\u00dferdem hat er den gesetzlich vorgeschriebenen Bergf\u00fchrer f\u00fcr uns engagiert. „Lasst uns zusammen Tschai trinken!“ l\u00e4dt er uns herzlich ein. Bis die hei\u00dfen Tassen auf seinem Schreibtisch stehen, erz\u00e4hlen wir ihm vorfreudig, dass wir unsere Rucks\u00e4cke, die wir in Thamel ausgeliehen haben, bereits gepackt haben. Ob wir auch „crampons“ dabei h\u00e4tten, will Madan wissen. Er meint leichte Steigeisen. „\u00c4h… nein.“ So eine spezielle Ausr\u00fcstung kam uns nicht in den Sinn. „Aber wir haben gestern unsere Motorradstiefel beim Schuhputzer aufpimpen lassen.“, sage ich. „Um diese Zeit wird es auch ohne Steigeisen gehen.“, schiebt Madan schnell hinterher. Falls nicht, wisse unser Bergf\u00fchrer an Ort und Stelle ganz sicher eine L\u00f6sung. „Wie ist denn derzeit das Wetter am Manaslu?“ frage ich etwas verunsichert. Bisher sei es ungew\u00f6hnlich schlecht gewesen. „Die meisten Leute mussten umkehren.“, erz\u00e4hlt Madan. Erst vor ein paar Tagen seien die ersten Wanderer \u00fcber den Pass gekommen. „Macht Euch keine Sorgen. Ihr werdet Gl\u00fcck mit dem Wetter haben!“ verabschiedet uns Madan, als die Teetassen leergetrunken sind. Und aus seinem Munde glauben wir es sogar.
\nMorgen fr\u00fch um 7:15 Uhr wird uns also Bergf\u00fchrer Bhim am Hotel abholen. Bhim Gurung \u2013 in Nepal tr\u00e4gt man seine Volksgruppe als Nachnamen. Wir hatten ihn schon kurz bei Madan im B\u00fcro getroffen. Er ist 27 Jahre alt, stammt aus einem Bergdorf am Anfang der Manaslu-Runde und wird uns die n\u00e4chsten 19 Tage als zertifizierter Trekkingguide begleiten. Au\u00dferdem wird er einen Gro\u00dfteil meines Gep\u00e4cks tragen, etwa zehn Kilogramm. Mein Tagesrucksack wiegt dann nur etwa f\u00fcnf, sechs Kilo \u2013 je nachdem, wie viel Wasser gerade in unseren Trinkflaschen ist. Micha tr\u00e4gt einen Rucksack, der etwa doppelt so schwer ist wie meiner.<\/p>\nPokhori: Bhim nimmt uns mit in sein Heimatdorf<\/h3>\n
\nUnser Langstreckenbus ist au\u00dfen der L\u00e4nge nach mit einem gro\u00dfen Flugzeug bemalt. Das verspricht eine rasante Fahrt. Aufkleber an der Heckscheibe versprechen au\u00dferdem Komfortsitze, ABS, Wifi und LED-TV. Nichts davon ist wahr. Wir steigen ein und lassen uns in die ausgesessenen Sitze plumpsen \u2013 gar nicht mal so unbequem. Die Fensterscheibe l\u00e4sst sich aufschieben, falls einem schlecht wird. Am Stadtrand von Kathmandu, an dem wir \u00fcber eine Stunde sp\u00e4ter angekommen sind, ist unser Bus vollgepackt mit Menschen und Gep\u00e4ck. Micha und ich bleiben die einzigen Touristen.
\nJe n\u00e4her wir unserem Ziel entgegenfahren, desto kurviger und spannender wird die Route und immer mehr Plastikt\u00fctchen f\u00fcr Kotze werden verteilt. Die fliegen w\u00e4hrend der Fahrt, sobald sie voll sind, im hohen Bogen durch die offene Bust\u00fcr nach drau\u00dfen. Zum Gl\u00fcck haben Micha und ich eine Reisetablette geschluckt, die au\u00dferdem sch\u00f6n schl\u00e4frig macht. Am sp\u00e4ten Nachmittag h\u00e4lt der Bus endlich in Arughat an. Unsere K\u00f6rper sind schlaff, wir stolpern aus dem Bus und wanken Bhim hinterher zur ersten Unterkunft.
\nAm n\u00e4chsten Morgen um 7:45 Uhr sind wir Drei ausgeruht und startklar f\u00fcr die Manaslu-Umrundung. Der kleine Ort Arughat liegt niedriger als Kathmandua, auf etwa 550 Metern, und das Wetter ist hier hochsommerlich warm. Wir tragen leichte T-Shirts und haben die Hosenbeine unserer Wanderhosen am Knierei\u00dfverschluss abgetrennt. Nach einer halben Stunde auf ebener Strecke biegen wir im n\u00e4chsten Ort Arket nach oben auf die Berge westlich des Budhi Gandaki Flusses ab. Hier liegt der Gorkha-Distrikt, von dem sich auch der Name der ber\u00fchmten Gurkha-Soldaten ableitet.
\nBhim zeigt auf ein entferntes Dorf in der H\u00f6he: „Das ist Pokhori. Und dort ist mein Haus!“ Das sieht nicht unbedingt weit aus. Von jetzt an geht es allerdings stundenlang etwa 900 H\u00f6henmeter bergauf \u2013 \u00fcber Steintreppen und schmale Pfade. Wir kommen alle schnell ins Schwitzen. Bhim legt zum Gl\u00fcck immer wieder eine „Trinken-Pausi“ ein. Und ab und zu auch eine „Pippi-Pausi“. Er mag unsere Sprache und hat von anderen deutschen Wandertouristen ein paar W\u00f6rter aufgeschnappt.
\nDie winzigen D\u00f6rfer, die wir auf dem Weg bis zu Bhims Zuhause passieren, sind durch das landesweite Erdbeben im April 2014 komplett zusammengefallen. Provisorische Behausungen mit d\u00fcnnen, blauen Wellblechplatten als Dach haben die traditionellen Stein- und Lehmh\u00e4user ersetzt. „Diese D\u00f6rfer waren vorher sehr sch\u00f6n!“ sagt Bhim. Genau wie sein Dorf Pokhori \u2013 das Epizentrum des Bebens lag nur einen kurzen Spaziergang von dort entfernt.
\nBhim hat seine Frau und seinen vierj\u00e4hrigen Sohn seit einem Monat nicht gesehen. Je n\u00e4her wir seinem Dorf kommen, desto gel\u00f6ster wirkt er. Als wir in Pokhori einlaufen, bringt er uns zu einer kleinen H\u00fctte, in der Micha und ich \u00fcbernachten d\u00fcrfen. Dann stellt er uns einen Kanister Quellwasser vor die T\u00fcr, damit wir uns nach dem schwei\u00dftreibenden Anmarsch in Ruhe frisch machen k\u00f6nnen. Bhims junge Frau Kopila bringt kurze Zeit sp\u00e4ter einen Teller frisch gekochte Pellkartoffeln und schwarzen Tee zur St\u00e4rkung vorbei. Sie spricht ebenfalls etwas Englisch und so k\u00f6nnen wir ein paar Worte austauschen.
\nAls uns Bhim durch sein Dorf f\u00fchrt, folgt uns eine fr\u00f6hlich kichernde Kinderschar. Ihre dunkelbraunen Augen funkeln vor Neugier. In ihren Badelatschen h\u00fcpfen sie wie Bergziegen \u00fcber Stock und Stein.
\nEine Gruppe M\u00e4nner h\u00e4utet und zerlegt gerade einen gewaltigen, geschlachteten Wasserb\u00fcffel auf einer Plastikplane auf dem Gras. Heute ist ein hinduistischer Festtag und das Fleisch wird unter den Dorfbewohnern aufgeteilt. Kopila hat ebenfalls etwas f\u00fcr das Abendessen abgeholt. Mit Reis, Linsensuppe und B\u00fcffelgulasch im Bauch legen wir uns sp\u00e4ter dankbar in unserer kleinen Lehmh\u00fctte schlafen. Nachts poltern die Ratten \u00fcber das Wellblechdach. Jetzt leuchtet uns auch ein, warum Bhim auf das traditionelle Strohdach schw\u00f6rt.
\nMorgens steht Bhims kleine Nichte Alisa vor der T\u00fcr und wartet gespannt darauf, dass wir endlich aufstehen. Sein Sohn hat sich traurig in Kopilas Scho\u00df zur\u00fcckgezogen \u2013 er m\u00f6chte nicht, dass Papa schon wieder geht.
\nNach einem kr\u00e4ftigen Fr\u00fchst\u00fcck mit Bratkartoffeln, Omelette und Brot verabschieden wir uns von der Familie und den Kindern, zeigen uns erkenntlich und freuen uns auf einen weniger anstrengenden Wandertag als gestern. Noch merken wir keinen Muskelkater in den steifen Waden, aber ich ahne, dass der noch kommen wird.<\/p>\n\n\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
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„Gehn` ma langsam!“<\/h3>\n
\nAls wir vor der zweiten langen H\u00e4ngebr\u00fccke des Budhi Gandaki Flusses stehen und hin\u00fcber auf die andere Uferseite mit den allerletzten, unerbittlich steilen H\u00f6henmetern blicken, ist mir nicht klar, wie wir dort am Berg hinauf gelangen sollen. „Wo ist denn der Pfad nach oben?“ frage ich Bhim, noch bevor ich die Br\u00fccke betrete. Bhim wei\u00df es auch nicht so genau und deutet mit dem Zeigefinger eine grobe Zickzacklinie an. Der Berghang ist unwegsam und viel zu steil. „Wenn das der Weg nach Lapubesi sein soll, dann kehre ich an dieser Stelle um!“ sage ich zu Micha. Bhim und er laufen los \u00fcber die Br\u00fccke. Ich folge ihnen z\u00f6gerlich. Auf der anderen Seite sehen wir erleichtert, dass rechter Hand ein schmaler, steiniger Pfad abzweigt. Der ist immer noch schwierig und ich keuche vor mich hin, aber wir sind alle drei froh, dass wir es fast ans Tagesziel geschafft haben.
\nNach insgesamt \u00fcber neun Stunden Berg-auf-Berg-ab beziehen wir eine h\u00fcbsche einfache Lodge in Lapubesi (970 Meter). Kurz darauf braut sich ein erfrischend k\u00fchles Gewitter \u00fcber uns zusammen. Die Anstrengung des Tages hat nicht nur unsere K\u00f6rper, sondern auch unseren Geist ersch\u00f6pft und grinsend wie Betrunkene genie\u00dfen wir unseren wohlverdienten Feierabend.
\nAm n\u00e4chsten Morgen ist es dann soweit: Fieser Muskelkater hat unsere Waden im Griff und nach dem Aufstehen laufe ich wie eine alte, kranke Frau zum Kloh\u00e4uschen. Nach Omelette und einer Schale Haferbrei, die mir nur beim Wandern in Nepal schmeckt, fordert uns Bhim mit dem deutschen Satz „Gehn` ma langsam!“ munter zur dritten Etappe auf. Aua, die ersten Schritte schmerzen.
\nUnd wieder ist es ein herrlich sonniger Tag. Mehrere bepackte Muli-Karawanen kommen uns auf dem schmalen Weg entgegen. Sobald man die Gl\u00f6ckchen des Leittieres h\u00f6rt, hei\u00dft es, schnell auf die Bergseite auszuweichen. Es w\u00e4re nicht das erste Mal, dass die Tiere jemanden versehentlich den Abhang hinunterschubsen. Etwa tausend Mulis gibt es in der Gorkha-Region, die \u00fcberwiegend den Warentransport in die D\u00f6rfer \u00fcbernehmen. Trotzdem begegnen wir noch so einigen M\u00e4nnern und auch Frauen, die riesige Lasten nach oben buckeln: zusammengerollte Wellblechplatten, t\u00fcrgro\u00dfe Spanplatten, Bretter, Metallgef\u00e4\u00dfe… nichts scheint ihnen zu sperrig zu sein.
\nDie Route f\u00fchrt heute ein St\u00fcck durch das halbtrockene Flussbett. Zweimal m\u00fcssen wir durch das eiskalte Schmelzwasser des Manaslus waten. Den F\u00fc\u00dfen, die stundenlang in den Stiefeln stecken, tut es gut. Um halb zwei haben wir bereits das Tagesziel erreicht: Kholabesi. Nach dem W\u00e4schewaschen am Fluss haben wir kaum noch Lust, uns zu bewegen.
\nAuf der vierten Tagesetappe nach Jagat \u2013 ein h\u00fcbsches Steinhausdorf auf 1.340 Metern \u2013 qu\u00e4len uns die Waden immer noch. Der fr\u00fche Morgen ist wie der Abend mittlerweile ziemlich frisch und die Fleecepullis werden aus dem Rucksack gekramt. Das Leder meiner Schuhe ist an manchen Stellen rissig und ich fette sie wenigstens mit etwas Sonnencreme ein. Geduldig laufen wir dem Manaslu entgegen \u2013 noch drei Tagesetappen, bis wir ihn das erste Mal erblicken k\u00f6nnen.
\nUnsere n\u00e4chste Schlafst\u00e4tte, Pewa (1.800 Meter), liegt mitten in einer dicht bewaldeten Schlucht. Unten rauscht der Fluss. Ein Felsbrocken st\u00fcrzt vor unseren Augen vom Abhang ins Wasser und der Aufprall kommt einer kleinen Explosion gleich.
\nUnsere heutige Schlafkammer in der Lodge riecht wunderbar nach Holz. Die breiten Dielen knarren und von unten steigt etwas Feuerrauch durch die Ritzen zu uns hoch. Durch die Spalten der Holzbretterw\u00e4nde schimmert das schw\u00e4cher werdende Tageslicht. Die Unterkunft ist sp\u00e4rlich, aber urgem\u00fctlich. Nach einer hei\u00dfen Dusche aus dem Eimer \u00fcber dem Hockklo serviert uns der Koch der Lodge das beste Dal Bhat<\/em>, das wir je gegessen haben. Auch Bhim ist sehr gl\u00fccklich dar\u00fcber. Wie bei vielen seiner Landsleute landet das hiesige Nationalgericht t\u00e4glich mit den Fingern der rechten Hand in seinem Mund. „Nur wenn ich Dal Bhat esse, habe ich Energie!“, schw\u00e4rmt er.
\n11. April 2017. Bhim hat sich trotz des guten Essens leider etwas erk\u00e4ltet. Er l\u00e4sst sich nichts anmerken und tr\u00e4gt den Rucksack tapfer \u00fcber die Berge. „Heute haben wir noch mal einen langen Weg vor uns.“ sagt er. Kurz hinter Pewa beobachten wir eine gro\u00dfe Gruppe Languren, die am Berghang herumklettert und sich in der w\u00e4rmenden Morgensonne gegenseitig laust. Hier und dort st\u00fcrzen rauschende Wasserf\u00e4lle in den wilden Fluss. Obwohl wir heute neun Stunden unterwegs sind, begegnen wir nur ganz wenigen Mulis und fast gar keinen anderen Leuten. Allerdings entdecken wir zum ersten Mal ein Blauschaf, das eigentlich eine gro\u00dfe Ziege ist. Es ist unglaublich, welche Felsw\u00e4nde diese Himalaja-Vierbeiner ruckzuck hinaufklettern k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
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Namrung: Ein Dorf, wie aus der Zeit gefallen<\/h3>\n
\nWir legen einen wohlverdienten Pausentag ein und spazieren am n\u00e4chsten Tag durch Namrung. An der buddhistischen Gebetsmauer h\u00e4lt ein \u00e4lteres Ehepaar gerade eine kleine Zeremonie ab. Dabei verbrennen sie Wacholderzweige. Der dichte Rauch soll b\u00f6se Geister beschwichtigen. Wir begegnen einem Gro\u00dfvater im traditionellen Wintermantel. Er deutet uns an, ihm zu folgen. Neugierig laufen wir hinterher. Er \u00f6ffnet ein Holztor. Dahinter liegt der alte Gompa <\/em>des Dorfes \u2013 ein kleiner, tibetischer Tempel. Immer noch wortlos kramt der Alte einen gro\u00dfen Schl\u00fcssel hervor, \u00f6ffnet damit die bunt verzierte T\u00fcr des Gompas und bittet uns hinein. Ein gro\u00dfer Sonnenstrahl f\u00e4llt durch ein eingestaubtes Fenster in den dunklen Raum. Die Staubk\u00f6rner tanzen in seinem Licht. Es riecht nach einer Mischung aus R\u00e4ucherst\u00e4bchen und antikem Kleiderschrank. Der geschm\u00fcckte Buddha-Altar, die Holzb\u00e4nke der M\u00f6nche, die l\u00e4nglichen Gebetsb\u00fccher in den Regalen, die gro\u00dfe Ledertrommel, die verblassten Malereien an Decke und Holzw\u00e4nden \u2013 alles wirkt mystisch und hunderte Jahre alt.<\/span>
\nAls wir unseren Spaziergang fortsetzen, laufen wir an einer Tibeterin vorbei, die vor dem Haus im Schneidersitz mit ihren kr\u00e4ftigen, blo\u00dfen H\u00e4nden Schafwolle zu einem Faden spinnt. Wir folgen einer jungen Frau, die mit einem geflochtenen Korb auf dem R\u00fccken z\u00fcgig zwischen den steingrauen H\u00e4usern dorfabw\u00e4rts l\u00e4uft. In einer kleinen Wasserm\u00fchle sitzt ein Mann und r\u00f6stet Maisk\u00f6rner \u00fcber einem Feuer, bevor er sie von den drehenden M\u00fchlsteinen zermahlen l\u00e4sst.
\nAuf einer Ebene etwas oberhalb des Dorfes sind Familien gerade dabei, mit Hilfe ihrer starken Bergrinder die dunkelbraunen Terrassenfelder zu pfl\u00fcgen und neuen Mais auszus\u00e4hen. Der Wind weht die ausgetrocknete Erde hinter den altert\u00fcmlichen Holzfl\u00fcgen in die Luft. Der d\u00fcngende Viehmist wird in K\u00f6rben auf die Felder getragen. Die Bauern und ihre Kinder freuen sich, als wir sie auf dem Feld besuchen.
\nAm sp\u00e4ten Nachmittag treffen wir Lakpa. Er hat 16 Jahre lang als erfolgreicher Gesch\u00e4ftsmann in Singapur gearbeitet und kehrte nach mehreren Jahrzehnten in sein Heimatdorf zur\u00fcck. Er war erschrocken, wie arm die Menschen in Namrung noch immer leben. Nichts habe sich ge\u00e4ndert, seitdem er als verarmter Junge sein Zuhause verlie\u00df. Er hat sich zur Aufgabe gemacht, der Region zu helfen, st\u00e4rker vom Berg- und Wandertourismus zu profitieren. Gleichzeitig m\u00f6chte er den Spagat schaffen, die besondere Kultur und Identit\u00e4t zu bewahren. Nach dem zerst\u00f6rerischen Erdbeben vor zwei Jahren fiel der historische Dorfkern von Namrung, in dem vor etwa 700 Jahren das Oberhaupt des Hochtals lebte und regierte, in sich zusammen. Lakpa hat die Geschichte des k\u00f6nig\u00e4hnlichen Herrschers rekonstruiert, viele noch erhaltene Gegenst\u00e4nde aus dieser Zeit in der Region zusammengetragen und den „K\u00f6nigspalast“ mit seinem Geld wieder m\u00fchsam aufgebaut. In einem halben Jahr wird dieser Teil des Dorfes als Museum er\u00f6ffnet.
\nWir stehen jetzt mit Lakpa in der damaligen Wohnst\u00e4tte des K\u00f6nigs \u2013 ein bescheidenes Steinhaus wie alle anderen, an dem nichts prunkvolles erkennbar ist. Der flache, fensterlose Raum ist voller Sch\u00e4tze, die Lakpa hier noch unter einer Plane und in Holzregalen aufbewahrt. Pl\u00f6tzlich halte ich die Filzschuhe des damaligen K\u00f6nigs in meiner Hand. Dann eine verzierte Silberkanne. Eine 2000 Jahre alte Teekanne aus Stein. Jetzt blo\u00df nichts fallen lassen! Zwischen der Sammlung liegt au\u00dferdem ein Teil der Ausr\u00fcstung von der Erstbesteigung des Manaslus vor \u00fcber 60 Jahren. Das m\u00fcsse erst noch alles restauriert werden, sagt Lakpa, der in seinem Projekt, von dem bald alle Bewohner profitieren sollen, unerm\u00fcdlich ist. Woher haben Leute wie Lakpa diese unglaubliche Energie? Neben dem Dorfmuseum errichtet er au\u00dferdem gerade ein kleines, stilvolles Ressort. Die Bauarbeiten sind in vollem Gange. Damit m\u00f6chte er Touristen, die sich f\u00fcr die Region interessieren und auf Komfort nicht verzichten wollen, nach Namrung locken. Wahrscheinlich hat Lakpa einen guten Weg f\u00fcr seine Heimat gefunden. Er liebt dieses Dorf, hat eine klare Vision und konnte auch die skeptischen Bewohner davon \u00fcberzeugen.<\/span>
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