{"id":9196,"date":"2016-08-26T20:15:42","date_gmt":"2016-08-26T18:15:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.emmenreiter.de\/?page_id=9196"},"modified":"2018-02-08T08:21:53","modified_gmt":"2018-02-08T06:21:53","slug":"kirgistan-berge-jurten-seen-reiter","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.emmenreiter.de\/kirgistan-berge-jurten-seen-reiter\/","title":{"rendered":"Kirgistans Berge: Jurten, Seen und wilde Reiter"},"content":{"rendered":"
Besuch vor unserem Zelt: Kirgise auf dem Djailoo Sarala-Saz \u00a9 emmenreiter.de<\/p><\/div>\n
Wie soll ich sonst das Gef\u00fchl beschreiben, das uns beide regelrecht durchflutet, als wir oben auf dem fast 3000 Meter hohen Djailoo, einer Bergweide der kirgisischen Nomaden, von den Motorr\u00e4dern absteigen und still ins weite Tal zur\u00fcckblicken. \u201eGenau hier lass uns \u00fcbernachten!\u201c, schlage ich vor. Ich genie\u00dfe meine gute Laune und aufgeregt wie Kinder suchen wir auf dem Grasland den allerbesten Platz f\u00fcrs Zelt aus. Micha verzurrt wie immer noch die letzten Schn\u00fcre. Weiter weg an den Bergen haben sich in der Zwischenzeit dunkle Nachmittagswolken f\u00fcr ein Gewitter zusammengerottet. Das Donnern hallt her\u00fcber und \u00fcbert\u00f6nt das Bl\u00f6ken der langsam vorbeiziehenden Schafherde. Der w\u00e4rmende Sonnenschein ist urpl\u00f6tzlich verschwunden und Wind bl\u00e4st von Nordost. Wir zittern sofort vor K\u00e4lte und krabbeln durch die flatternde \u00d6ffnung in unsere sch\u00fctzende Globetrotter-Jurte. Von hier aus gucken wir raus auf das raue Bergwetter, das sich mal wieder im Handumdrehen ge\u00e4ndert hat. Schnell noch die Daunenschlafs\u00e4cke heraus kramen und sitzend darin einmummeln. Dieses pure Gef\u00fchl der Geborgenheit in der Weite von Kirgistan kommt auf die Liste der besten Momente dieser Reise. Bevor wir Momente wie auf dem Djailoo genie\u00dfen werden, machen wir noch Abstecher in die felsigen Berge im Westen des Tian-Shan-Gebirges. Nach den beiden Werkstattwochen in Osch sind wir erleichtert und happy, dass unser Emmenreiter-Abenteuer weitergehen kann. Einen Monat lang haben wir nun Zeit, Kirgistan kennenzulernen \u2013 ein Land, das zu 94 Prozent aus Gebirge mit weiten Steppen, Hochweiden und klaren Seen besteht. Am t\u00fcrkis leuchtenden Toktogul-See entlang fahren wir auf einer Hauptstra\u00dfe nach Bischkek. Dabei knattern wir auf einer H\u00f6he bis zu 3.500 Metern im zweiten Gang \u00fcber zwei sonnige Bergp\u00e4sse und durch einen langen, engen Tunnel. Nach einer Nacht in Kotschkor lockt uns die Einsamkeit in die h\u00f6heren Weiten der Berge. Auf dem Feldweg hinauf zur Sommerweide Sarala-Saz, etwa 50 Kilometer n\u00f6rdlich von Kotschkor, gr\u00fc\u00dfe ich einen alten Mann mit Esel, als wir gerade an seinem Geh\u00f6ft vorbeifahren wollen. Wir halten an und ich sch\u00fcttel seine gro\u00dfe Hand: \u201eSalam Aleikum!\u201c Er bittet uns freundlich auf einen Tschai hinein und weist uns den Weg in ein kleines, wei\u00dfes Steinhaus auf dem dunkelerdigen Hof. Seine Frau sitzt drinnen mit dem neugeborenen Enkel auf dem Scho\u00df und nickt uns zu, als wir mit geducktem Kopf durch die T\u00fcr eintreten. Links in dem fensterlosen Raum befindet sich ein Taptschan \u2013 eine erh\u00f6hte Sitzfl\u00e4che mit flachem Tisch in der Mitte. Rechts sieht man eine verru\u00dfte Kochstelle mit gro\u00dfem Teekessel, unter dem Feuer lodert. Ein junges M\u00e4dchen versteckt sich sch\u00fcchtern hinter dem alten Mann. Wir decken uns in Kotschkor mit Proviant ein \u2013 frische Brote, Haferflocken, Milch, K\u00e4se, Kuchen, Bonbons, \u00c4pfel, Tomaten, Gurken, Paprika. Das Obst und Gem\u00fcse in Kirgistan ist pur und aromatisch. Schnell noch bei Gasprom auftanken und es geht los zum Song-K\u00f6l.
\n<\/span><\/p>\nArslanbob: Bauerndorf mit deutschen Kartoffeln<\/h3>\n
\nIch bin etwas angespannt auf den ersten Kilometern seit Osch und muss w\u00e4hrend der Fahrt \u00f6fter an meinen Sturz vor zwei Wochen denken. Ich zweifel jetzt an mir selbst und bekomme schlechte Laune davon. \u201eUnd?\u201c will Micha an der Tankstelle wissen. \u201eWie f\u00e4hrt sich deine ’neue‘ Emme?\u201c \u201eGanz gut, aber irgendwie zieht sie beim Fahren nach rechts.\u201c Wir tauschen probeweise die Motorr\u00e4der. Die schmale Asphaltstra\u00dfe nach Arslanbob hat etliche Bodenwellen und mein K\u00f6rper sch\u00fcttet jedes Mal Adrenalin aus, wenn ich eine h\u00e4rtere davon erwische. \u201eIst doch die perfekte Strecke, um dein Trauma zu \u00fcberwinden,\u201c redet mir Micha gut zu.
\n<\/span>In Arslanbob leben fast ausschlie\u00dflich usbekisch-st\u00e4mmige Bauernfamilien. Sie sind konservativer und gl\u00e4ubiger als die Menschen in anderen Regionen Kirgistans. Freitagnachmittag, nach dem Besuch der Moschee, sitzen allerdings auch die Herren aus Arslanbob auf ein (oder ein paar mehr) Gl\u00e4schen Wodka in der Dorfmitte zusammen. Unz\u00e4hlige kleine H\u00e4user mit einseitig offenen Giebeln verstecken sich weit verstreut in den bewachsenen H\u00fcgeln des Dorfes. \u00dcberall im Ort sprudelt eiskaltes Quellwasser aus Rohren, durch Rinnen und kleine B\u00e4che. Kinder spielen auf den steilen, staubigen Schotterwegen und gr\u00fc\u00dfen jeden Touristen, der ab und zu an ihnen vorbeischlendert. Im Winter liegt hier alles still. Im Sommer dagegen werden die Felder beackert, Heu geerntet, Milchprodukte hergestellt, Obst getrocknet oder eingeweckt. \u201eMit Hilfe aus Deutschland versuchen unsere Bauern gerade, bessere Kartoffelsorten zu etablieren,\u201c erz\u00e4hlt unser Guide, mit dem wir einen Tag lang durch die Gegend und die schattigen Walnussw\u00e4lder laufen, die Arslanbob bekannt gemacht haben. Es sind immerhin die gr\u00f6\u00dften Walnussw\u00e4lder der Welt, die im September von den Dorfbewohnern einen Monat bev\u00f6lkert werden, um die N\u00fcsse zu ernten.
\nNach vier Tagen in dieser sommerlichen Idylle wechseln wir ins kleine Dorf Arkit in der N\u00e4he des Bergsees Sary-Tschelek. Auf der glatten Schotterpiste dorthin kehrt bei mir der Spa\u00df am Emmenreiten zur\u00fcck. Noch eine kleine Flussdurchfahrt und wir sind am Gasthaus \u201eEverest\u201c angekommen. Niemand ist zu sehen, als wir an die offenstehende Haust\u00fcr klopfen. Die junge Dinara, die sich ums Gasthaus k\u00fcmmert, macht mit ihren kleinen S\u00f6hnen gerade ein Nickerchen im Garten. Wir k\u00f6nnen bald in unser Zimmer einziehen und kosten sp\u00e4ter von den warmen Broten, die Dinara drau\u00dfen backt. Sie befeuert daf\u00fcr einen Lehmofen mit Holz. Sobald die Glut die Innenw\u00e4nde des Ofens erhitzt hat, klatscht sie die geformten Brotteige daran fest. Auf den D\u00f6rfern wird das Essen oft an Feuerstellen au\u00dferhalb des Hauses zubereitet.
\nW\u00e4hrend wir Abendessen, bedauern wir eines der Fettschwanzschafe, das sich total im Strick verheddert hat, mit dem es am Apfelbaum angebunden ist. Die Sonne geht unter und die Rinder kommen nach und nach am Gasthaus entlang ins Dorf zur\u00fcckspaziert. Am n\u00e4chsten Morgen fahren wir zusammen auf Michas Emme hinauf zum See auf etwa 1.870 Metern. Es ist warm in der Sonne und Micha taucht ins glasklare Wasser des Sary-Tscheleks ein.<\/p>\n\n\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\n\t\t\n\t
B\u00fcrotage in Bischkek<\/h3>\n
\nIn der Hauptstadt angekommen, holen wir unsere zweiten Reisep\u00e4sse mit den Visa f\u00fcr China ab, die nur in der jeweiligen Botschaft im Heimatland beantragt werden k\u00f6nnen. Unsere Visa-Agentur in Berlin hat sie zusammen mit den ADAC-Carnets per DHL Express nach Kirgistan geschickt. Au\u00dferdem ist es Zeit, sich \u00fcber die weitere Route Gedanken zu machen. Unser Gasthaus-Zimmer mit schnellem WiFi wird daher drei Tage lang zum Reiseb\u00fcro. Da ist erstens unser einw\u00f6chiger Transit durch West-China \u2013 genau wie vor acht Jahren<\/a>. Wir haben dieselbe Agentur damit beauftragt und m\u00fcssen nur noch festlegen, an welchem Tag wir in China einreisen werden. Das l\u00e4uft diesmal leider nicht reibungslos ab und es beginnt ein nervendes Hickhack per E-Mail, was das Datum betrifft. Au\u00dferdem l\u00e4sst sich auch Myanmar auf eigenen Fahrzeugen nur mit offizieller Begleitung durchqueren. Nach ein paar Recherchen und E-Mails haben wir eine relativ g\u00fcnstige Reiseagentur gefunden, die Ende Oktober einen zweiw\u00f6chigen Transit von Indien nach Thailand anbietet. Wir schlie\u00dfen uns der Gruppe an und werden planm\u00e4\u00dfig insgesamt sechs Motorradfahrer sein. Das Visum f\u00fcr Myanmar l\u00e4sst sich in Kalkutta besorgen.
\nWas uns noch Sorgen macht, ist Thailand. Bis vor kurzem war es noch eines der unkompliziertesten Reisel\u00e4nder in Asien. Seit Juni werden \u00dcberlandreisende an der Grenze allerdings abgewiesen, wenn sie keine spezielle Erlaubnis f\u00fcr die Einreise nachweisen k\u00f6nnen. Im Internet haben sich dazu mehrere Foren gegr\u00fcndet, die aktuelle Infos austauschen. Es scheint, als herrsche ein wenig Chaos und nicht mal Thailands Beh\u00f6rden wissen damit umzugehen. Wir lassen das Thema erstmal ruhen, in der Hoffnung, dass sich in den n\u00e4chsten Wochen etwas zum Positiven wendet.
\nWir verlassen Bischkek, fahren nach einem Abstecher zum Nationalpark Ala-Artscha weiter bis ins gr\u00f6\u00dfere Dorf Kotschkor, von wo aus wir zu den Sommerjurten der Nomaden aufbrechen wollen. Auf dem Weg passieren wir am Fu\u00dfe des Tian-Shan-Gebirges zuf\u00e4llig einen kleinen, h\u00fcbschen Ort mit dem Namen \u201e\u0420\u043e\u0442-\u0424\u0440\u043e\u043d\u0442\u201c (Rot-Front) bzw. \u201eBergtal\u201c. In den zwanziger Jahren hatten sich tausende deutschst\u00e4mmige Mennoniten aus Russland in dieser Gegend angesiedelt. Vor einem Haus fast am Ende des Dorfes treffen wir auf Aron, einen jungen blonden Mann mit graublauen Augen. \u201eGuten Tag!\u201c begr\u00fc\u00dft er uns. Er ist einer der wenigen Deutschen, die noch hier leben. Nur f\u00fcnf Familienst\u00e4mme seien \u00fcbrig, erz\u00e4hlt er. Der Rest sei seit der Unabh\u00e4ngigkeit von Kirgistan nach Deutschland ausgewandert. Micha und ich haben in einer ZDF-Doku gesehen, dass die Mennoniten sehr konservativ leben und Erfindungen wie Fernsehen oder Internet ablehnen. Als wir uns mit Aron unterhalten, haben wir allerdings keineswegs den Eindruck, dass er nicht wei\u00df, was in der Welt geschieht. Er hat Deutschland zweimal besucht und entschieden, in Bergtal zu bleiben. Es ist ein urspr\u00fcngliches Leben \u2013 im Sinne von \u201eEs wird gegessen, was geerntet wurde.\u201c Aron guckt auf unsere Motorr\u00e4der und l\u00e4chelt: \u201eMan ist eben auch mit einer 250er sehr zufrieden!\u201c<\/span><\/p>\nStutenmilch auf dem Djailoo<\/h3>\n
\nEr bittet uns, Platz zu nehmen. Wir ziehen die Stiefel aus und krabbeln \u00fcber dunkelbraune Schafsfelle an den Tisch. Die erwachsene Tochter stellt Tee, wei\u00dfes Fladenbrot, Kajmak (Butter) und Schwarze-Johannisbeer-Marmelade bereit. \u201eKuschietje!\u201c bittet sie uns. Esst! Nebenbei stampft sie mit einem Stiel in ein schlankes, hohes Holzfass. Es pl\u00e4tschert. \u201eKumys\u201c sagt sie \u2013 vergorene Stutenmilch \u2013 und sch\u00f6pft die wei\u00dfe Fl\u00fcssigkeit in zwei Trinkschalen. Es ist das erste Mal, dass wir das typische Nomadengetr\u00e4nk probieren werden. Vorsichtig nehme ich einen Schluck. Es prickelt etwas auf der Zunge, schmeckt rauchig, leicht s\u00e4uerlich und besser als erwartet. Micha hat seine Schale ziemlich bald ausgetrunken. Ich bef\u00fcrchte, dass mein Darm nicht viel davon vertr\u00e4gt und stelle meinen Kumys nach wenigen Schlucken etwas besch\u00e4mt zur\u00fcck auf den Tisch. Entschuldigend klopfe ich auf meinen Bauch und versuche zu erkl\u00e4ren, dass Kumys sehr lecker, aber bedauerlicherweise problematisch f\u00fcr deutsche B\u00e4uche ist. Wie feige von mir. Nicht mal drei Stunden sp\u00e4ter, oben auf dem Djailoo, muss Micha dann mehrmals nacheinander hinter den H\u00fcgel flitzen.
\nAuf der einsamen Hochweide Sarala-Saz ist es pl\u00f6tzlich d\u00fcster und kalt geworden. Wir haben uns ins Zelt eingekuschelt und lauschen dem Wind, der ungehindert \u00fcber das weite Grasland weht. \u201eHey jo\u201c ruft pl\u00f6tzlich einer irgendwo da drau\u00dfen, so als w\u00fcrde er eine Herde antreiben. Jetzt h\u00f6ren wir auch ein dumpfes Pferdetrampeln. Ich gucke blitzschnell aus dem Zelt. \u201eMicha, wir haben Besuch!\u201c, freu ich mich und springe raus. Da steht er nun auf seinem grauen Pferd\u00ad und l\u00e4chelt verschmitzt \u2013 ein Kirgise wie aus dem Bilderbuch, mit Filzhut, schweren Stiefeln und dickem, langen Mantel. Micha und ich verstehen kein Wort von dem, was er so munter auf Kirgisisch daher redet. Wir erz\u00e4hlen einfach auf Russisch, wie wir hierher gekommen sind. Der Kirgise strahlt, auch wenn er scheinbar kaum etwas verstanden hat. Ich biete ihm ein St\u00fcck Kuchen an, das er sofort verputzt. Dann steigt er vom Pferd. Micha solle gerne eine Runde reiten, statt Motorradfahren! Der Kirgise am\u00fcsiert sich dar\u00fcber, dass wir sichtlich keine Ahnung von Pferden haben. Er m\u00fcsse seine Herde eintreiben, gibt er uns zu verstehen, und blickt dabei \u00fcber die Bergweide. Dann reitet er zufrieden davon. Aus der wei\u00dfen Jurte oben am Hang kommen zum Abend dann noch zwei Jungen herbeigelaufen. Sie bringen uns eine gro\u00dfe Flasche Kumys ans Zelt und sind dann wieder ruckzuck verschwunden.<\/p>\n\n\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\n\t\t\n\t
Song-K\u00f6l: Mit den Nomaden auf der Hochweide<\/h3>\n
\nKurz hinter Sary-Bulak biegen wir von der Asphaltstra\u00dfe auf den Weg nach Song-K\u00f6l ab. 60 Kilometer lang rollt das Stollenprofil \u00fcber Wellblechschotter und den harten Lehmboden der Serpentinen, die \u00fcber den 3.440 Meter hohen Pass Kalmak-Ashuu f\u00fchren. Micha hat vorher die Leerlaufschraube an seinem Motorrad entfernt, damit \u00fcber diese \u00d6ffnung zus\u00e4tzlich Luft in den Vergaser str\u00f6men kann. Ansonsten hat seine Emme in dieser H\u00f6he kaum noch Power. Meine MZ ist da h\u00e4rter im Nehmen und ich schaffe es ohne Probleme \u00fcber die Berge.
\nAuf der anderen Seite des Passes erblicken wir bald den Song-K\u00f6l \u2013 ein gro\u00dfer S\u00fc\u00dfwassersee auf 3.016 Metern. Auf den sanft geschwungenen, weiten Grasfl\u00e4chen ringsum haben die Nomaden f\u00fcr vier Monate ihre hellen Jurten in der Landschaft platziert. Graue Wolken h\u00e4ngen \u00fcber dem See, als wir uns seinem Ostufer n\u00e4hern. Schon wieder ist es arschkalt.
\nAls wir am fr\u00fchen Morgen aus den warmen Schlafs\u00e4cken unserer Jurte kriechen, strahlt die Welt am Song-K\u00f6l dank Sonnenschein in intensiven Farben \u2013 von blau bis gr\u00fcn und orange. Auf dem Zelt und den Sitzb\u00e4nken der Motorr\u00e4der glitzert eine zarte Eisschicht. Wir erfrischen uns im klaren See und Micha macht dann Fr\u00fchst\u00fcck. Ich h\u00e4nge die Schlafs\u00e4cke und Handt\u00fccher \u00fcber die W\u00e4scheleine, die ich zwischen beide MZ-Lenker gespannt habe. Ein dumpfes Trampeln k\u00fcndigt das Herannahen einer Pferdehorde an, die zum Trinken ans Seeufer geritten kommt \u2013 nur wenige Schritte von uns entfernt. Ihre schwarzen oder braunen Flanken leuchten seidig. Jeden Tag besuchen uns auch mehrmals Schaf- und Rinderherden. Eine Kuh schupst beim Schubbern mein Motorrad um.
\nEtwa 800 Meter von unserem Camp entfernt beobachten wir einen Mercedes-Kastenwagen, der zum Wohnmobil umgebaut ist. Er scheint gerade einen Stellplatz zu suchen. Es ist eine Familie aus Belgien mit drei Kindern an Bord \u2013 drei, f\u00fcnf und sieben Jahre alt. Jerome und Tine sind mit ihnen ebenfalls nach S\u00fcdostasien unterwegs. Ein Jahr lang reisen sie zusammen.
\nNach einem echten Kaffee und Reisegespr\u00e4chen in ihrer gem\u00fctlichen H\u00fctte auf R\u00e4dern machen wir uns auf den Weg zu den n\u00e4chsten Nomaden. Ein paar Kilometer weiter n\u00f6rdlich wandern wir in unseren Motorradstiefeln der Jurte von Aishan und ihrer Familie entgegen. Aishan sitzt gerade mit ihren S\u00f6hnen in der Sonne an einem kleinen, flachen Holztisch. Sofort winkt sie uns heran, als sei es das Normalste der Welt, dass wir sie heute besuchen. Wir legen zur Begr\u00fc\u00dfung eine gro\u00dfe Handvoll Bonbons auf den Tisch. Aishan schenkt uns ihren Kumys ein. Ein Dutzend Pferde, Rinder, zwei Esel und drei Hunde umringen die Jurte. Der Filz der Behausung hat sichtlich schon viele Nomadensommer erlebt \u2013 zwanzig Jahre alt sei die Jurte, erz\u00e4hlt Aishan. Ihr Mann Rachat k\u00fcmmert sich gerade um das Vieh auf dem Djailoo.
\nAishan sieht uns neugierig durch ihre Mandelaugen an. Wir erz\u00e4hlen und lachen miteinander. Sie streckt ihren Zeigefinger in die Umgebung und z\u00e4hlt die Namen der Berge auf \u2013 Ak-Tash, Kalmak. Dort der Weg nach Naryn. Sie scheint das Land hier drau\u00dfen zu lieben. Dann f\u00fchrt sie uns in die Jurte und zeigt den Topf mit der Butter, die sie hergestellt hat. Die Sch\u00fcssel mit der eingeweichten Wolle, die sie sp\u00e4ter zum Filz rollt. Ihre alte N\u00e4hmaschine und das Fass, in dem der Kumys zubereitet wird. Sie nimmt mich pl\u00f6tzlich an die Hand und wir laufen \u00fcber hohe Grasb\u00fcschel hinunter zum See. Ihre Hand f\u00fchlt sich rau an. \u201eSong-K\u00f6l\u201c, sagt sie stolz, und trinkt gen\u00fcsslich von seinem frischen Wasser.
\nAishan ist fr\u00f6hlich wie ein junges M\u00e4dchen, das neue Freunde gefunden hat. \u201eMichael!\u201c ruft sie, und nimmt ihn mit auf den kleinen H\u00fcgel vor der Jurte. Dann kullern beide \u00fcber das Gras wieder herunter. Aishan m\u00f6chte uns gar nicht gehen lassen. \u201eBitte wartet!\u201c sagt sie, und l\u00e4uft hin\u00fcber zur Nachbarjurte. Dann kommt sie mit einer kleinen Flasche Wodka zur\u00fcck. Sie m\u00f6chte auf die Freundschaft ansto\u00dfen und schnipst mit den Fingern gegen ihren Hals. Diese Geste bedeutet in Kirgistan eine Einladung zum Trinken. Micha denkt genauso wie ich, dass der Moment gekommen ist, sich f\u00fcr heute zu verabschieden. Aishan guckt traurig und sie umarmt uns fest, bevor wir gehen.
\nNach f\u00fcnf Tagen ist unser Essen aufgebraucht und wir verlassen das Nomadenleben am Song-K\u00f6l. Der Wind und die starken UV-Strahlen haben unsere Gesichter gebr\u00e4unt und ausgetrocknet. Die Haut brennt, ist faltig und schuppig, egal wie viel Creme wir einschmieren. Wir halten nochmal auf einen letzten Tschai an Aishans Jurte an. In wenigen Wochen, Anfang Oktober, werden sie und ihre Familie zur\u00fcck nach Kotschkor gehen. Bald darauf wird tiefer Schnee die P\u00e4sse und Weiden um den Song-K\u00f6l f\u00fcr viele Monate zudecken.<\/p>\n\n\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t
\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\t\t